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Am Ostermontag lud Roland Krams, zum wiederholten Male und ganz zwanglos, zum Bayerischen Seekajaktreffen.
Nach dem Nikolauspaddeln am Chiemsee im vergangenen Dezember bei frostigen Temperaturen, und dem dank eines Föneinbruches schon wesentlich angenehmeren Neujahrspaddeln auf dem Ammersee, zeigte sich der Staffelsee am Ostermontag 2011 fast schon hochsommerlich.
So geschah es, dass neben den gestandenen Recken in ihren sturm- und hochseetauglichen Geschossen, die nur darauf warteten den See zu filetieren, auch eine kleine Schar Kinder und ein Hund mit von der Partie waren. Treffpunkt war der Parkplatz am Altwasser hinter dem Uffinger Gemeindebad, wo sich vor 11 Uhr gerade noch ausreichende Parkgelegenheiten fanden, und dies vermutlich auch nur weil an einem Ostermontag für die meisten Zeitgenossen der Begriff “frühmorgens” ein dehnbarer ist.
Wie Seekajaker so sind, verzögerte sich zunächst der Start ein wenig, weil man ja erst die Ausrüstung reichlich diskutieren muss: da wird ein neuer Salzwasserflitzer ausgiebig begutachtet, ein Trockenanzug angezogen, dann doch wieder abgelegt, ein nach grönländischem Vorbild selbst gebautes Holzboot bestaunt. Gerade recht, um unauffällig die nicht ganz standesgemäße Ausrüstung für die Familie vom Busdach zu holen, am Ufer in Position zu bringen und zu wassern.
Die durchaus komplexe Ausrüstungsproblematik lösten wir wie folgt: das Team “Mutter-Kind” sollte einen Pamlico 145, ein vergleichsweise etwas moppeliges offenes Zweierkajak, pilotieren. Das Team “Der alte Mann und sein Hund” teilte sich einen Tarpon 160, ein Seekajak in Sit-on-top Version. Die größere der beiden Töchter stieg ins Bonsai-Seekajak Tsunami SP. Nahrung und zusätzliche Kleidung wurde “gerecht” verteilt, also in größeren Anteilen dem Vater zum Transport anvertraut.
Nach dem obligatorischen Gruppenfoto paddelte der Pulk los, und zwar zunächst Richtung Alpen, aus seemännischer Sicht wohl in etwa auf südlichem Kurs. Nachdem der Staffelsee ein eher übersichtliches Gewässer ist (7,7 qkm, ohne Inseln), ließen wir sogleich die Insel Buchau mit ihrem Campingplatz links liegen, um dann die Insel Wörth von links hinten her, also Kurs etwa Südost, zu attackieren. In diesem Teil des Sees begegneten wir ersten Kollegen in Kajaks und Kanadiern, aber auch einfachem Volk in Tretbooten.
Ich hatte meinen Spruch “Kinder, so ungefähr sieht es in Kanada aus, nur viel größer und mit Elchen, Bären, Wölfen, Lachsen und Trillionen von Stechmücken, und man sieht tage- ja wochenlang keine Behausung, keine Menschenseele” kaum zu Ende gesprochen, als es mir entgegen schallte “Und was sind dann bitte das hier für Hornochsen?” – tatsächlich, auf der Insel Wörth tummelt sich ganzjährig eine den Rasen pflegende, verbeamtete Herde Auerochsen – ob die auch erst mit 67 in Rente gehen?
Für schlechte Stimmung sorgten dann die kleinen Zicklein: “Wann machen wir endlich Pause?” – “Tut was weh?” – “Nein, ich will endlich Pause machen” – “Wir sind in einer Gruppe unterwegs, da muss man sich einordnen” – “Wann machen die denn Pause?” – “Keine Ahnung, die müssen das erst besprechen, die waren auch noch nie hier, und wenn du keine Ruhe gibst, verkaufen wir dein Kajak” – “Das Kajak ist geliehen, von dir lass ich mich überhaupt nicht verarschen” – “Schau mal, die landen an der kleinen Insel an”
Westlich der Insel Wörth bot sich dann die Kleine Birke, ein beschauliches Inselchen, zur Rast an, die für die Familienfraktion etwas länger ausfiel, so dass die Abteilung Grönland mal auf die Schnelle noch den ganzen See umrunden konnte. Das Inselleben war keineswegs öde, es war voller Kurzweil. Ein bereits vorhandener Hund verteidigte den Westteil energisch gegen die Eindringlinge, überlies uns dabei allerdings großzügig den Rest des Areals. Erwähnenswert sind zudem ein paar schöne Kletterbäume.
Nach der Rückkehr der Seefahrer wurde weiter gefach-simpelt, das ein oder andere Boot ausprobiert. Dank aufziehender Wolken und etwas Gegenwind gestaltete sich die Durchquerung der “Straße von Wörth” durchaus leicht sportlich, fand allerdings ohne das geringste Jammern seitens der Zicklein statt. Das Nesthäkchen, auf der Hinfahrt keine 20 Paddelschläge aus den Armen gedrückt, bestand schließlich darauf, den Zweier alleine voranzutreiben. Das Inselleben bringt offenbar verbrauchte Energie zurück.
Ich konnte dem unheimlichen Spuk nur dadurch ein Ende bereiten, indem ich Madame auf ihre fotojournalistischen Pflichten hinwies. Dies hatte zur Folge, dass Frau Mama den Pamlico wieder ganz auf sich gestellt auf Kurs halten durfte. Dennoch wurde geschwind einmal ums Eck navigiert, in den Nordteil des Sees hinein, wo sich Wind und Wasser beruhigten, und die Reise entlang des Westufers, einen etwas steril wirkenden Dauercampingplatz zur Linken, bald ihr Ende fand.
Zumindest außerhalb der Hochsaison empfiehlt sich der Staffelsee als ein interessantes Revier sowohl für Binsenbummler als auch für Paddler, die gerne sportlich unterwegs sind. An schönen Sommerwochenenden dürften vermutlich die Tretbootkapitäne den See fest im Griff haben, so dass es auch mit der ein oder anderen Inselidylle schnell vorbei sein kann. Informieren Sie sich vor dem Paddeln über die Wetterlage. Lassen Sie sich nicht unvorbereitet von aufkommenden Wind, Wellen oder Gewittern überraschen.
Fotos: R.Platzer, L.Wagner; Text: R.Platzer